Hanpu Li 李函璞

Zwei Gedichte · 9. September 2026

Zwei Gedichte vom 9. September 2026.

2 Gedichte ·

Erstfassung

《鷓鴣天 · 連夕燈下試筆,未竟》

幾夕簾前共剪燈,平生話到又三更。 從頭説盡還存半,且任宵深硯自凝。 言漸杳,露初零。獨餘一語未分明。 頻頻蘸得毫端黑,墨至濃時偏不成。

Nach der Melodie Zhegutian · Mehrere Abende an der Lampe, Schreibversuche; unvollendet

An manchen Abenden schnitten wir vor dem Vorhang gemeinsam den Docht; ein ganzes Leben durchgeredet, und wieder war es die dritte Nachtwache. Vom Anfang bis zum Ende alles erzählt; die Hälfte bleibt. Lass die Nacht tief werden; lass die Tinte im Tuschstein von selbst stocken. Die Worte werden dünn. Der Tau beginnt zu fallen. Eine einzige Wendung bleibt, und sie will nicht klar werden. Wieder und wieder kommt die Pinselspitze schwarz empor; gerade wenn die Tinte am dichtesten ist, wollen die Worte nicht werden.

Erstfassung

《臨江仙》

簾影幾宵長共話,露痕初濕闌干。 言猶未了息先安。 夢深渾不覺,月上夜將殘。 他日重簾垂到地,垂來一似從前。 手臨燈畔數迴旋。 明朝風或緊,窗且掩周全。

Nach der Melodie Linjiangxian

Vorhangschatten, mehrere Nächte langen Gesprächs; der erste Tau nässt das Geländer. Die Worte noch nicht zu Ende; der Atem beruhigt sich zuerst. Tief im Traum, nichts wissend; der Mond steigt, die Nacht fast vorbei. An einem anderen Tag wird der schwere Vorhang bis zum Boden fallen, genau so fallen wie zuvor. Eine Hand neben der Lampe, einige Male kreisend. Morgen zieht der Wind vielleicht an; vorerst das Fenster dicht schließen.