Hanpu Li 李函璞

Lyrik

Gedichte, Zyklen und Fassungen.

Zyklen und mehrteilige Werke

  1. A und B

    Wie oft saßen wir zusammen schweigend, tief in der Nacht; die roten Tränen der einsamen Lampe fielen langsam.

  2. Zwei Gedichte · 9. September 2026

    An manchen Abenden schnitten wir vor dem Vorhang gemeinsam den Docht; ein ganzes Leben durchgeredet, und wieder war es die dritte Nachtwache.

  3. Das Dach reißt auf

    Das Dach reißt auf. Im Riss ist Asche. In der Asche kein Wind. Der Wind ist fort. Kann nicht fort.

Einzelgedichte

  1. Ist dir ein Sommer in den Sinn gekommen?

    In jenem Sommer waren die Zikaden des Juli noch nicht verstummt, und dein Lachen hatte noch nicht aufgehört.

  2. Nach der Melodie Linjiangxian

    Gärstoff und Malz, Salz und Pflaume: kein altes Rezept; Staub kommt, doch der duftende Strom bleibt ungekräuselt. Vor dem Vorhang, als ich gehen will, bleibt der Schatten schon zurück.

  3. Nach der Melodie Chaozhongcuo

    Federgold, zu einer Blüte verborgenen Dufts gekämmt; der Duft erreicht den Spiegel und hält inne. Nur den Schatten zum Gefährten am Geländer, mit dem Wunsch, Seite an Seite zu stehen; ein rotes Haar windet s…

  4. Nach der Melodie Fengrusong

    Am Hügelpavillon kündigt sich Schnee an; Reif hat sich schon gebildet, doch die eigensinnige Sonne bleibt. Schräges Licht fällt auf die Ziegel und will noch nicht weichen; das goldene Kohlenbecken brennt, du…

  5. Nach der Melodie Queqiaoxian

    Kein Brief ist nötig; die alten Dinge halte ich in Ehren. Auf dem Papier nur gewöhnliche Worte. Doch Lippen benetzten die Wunde an einer zarten Hand; wie viel bleibt nach all den Jahren?

  6. Nach der Melodie Linjiangxian Yin

    Die Einfriedung bricht; das Fest zerstreut sich; die Glocke hängt in den Abend—kurz gestohlene Ruhe. Die Sternenstadt birgt die guten Jahre nicht mehr.

  7. Nach der Melodie Mantingfang · Gedanken an Chutan aus der Ferne

    Die Gehänge des Windes sind eben still geworden; Regen kämmt den Morgenhibiskus; Briefe kannten den Bogen der Brauen zuerst. Ein leiser Ruf zerstreut die Saiten des Traums.

  8. Nach der Melodie Manjianghong · Dich zurückhalten wollen, wissen, wie es kommen wird

    Der alte Riss kaum genäht, da drängt der Frühlingswind schon wieder einen Gast zu bleiben. Die Tür will zugehen; stattdessen schlägt der Vorhangschatten um und lässt den Frühling heimlich ein.

  9. Nach der Melodie Manjianghong · Ein altes Gedicht wieder lesen, an den erneuerten Kontakt nach Jahren denken

    Wieder blättere ich in den alten Versen; zuerst erkenne ich die Kraft, die ich damals aufwandte. So fein legte ich alles auseinander: wenige Worte, tausendmal gewendet, der Atem schwach, die Stimme rau.

  10. Nach der Melodie Yingtianchang · Zurückrufen

    Ich rufe zurück und streiche noch das leere Gewand glatt; am Ärmelrand bleibt die Restwärme an den Fingern.